1 Monat Azoren Sommer 2018

Auch wenn ich nun schon seit ein paar Wochen zurück in Deutschland bin, möchte ich dich noch einmal kurz mit auf die Reise nehmen auf eine zu Portugal gehörende Inselgruppe mitten im Atlantik, die mich in ihren Bann geschlagen hat. Alles erscheint dort noch einfacher, langsamer, überschaubarer als hier zuhause. Etwas umständlich zu erreichen per Flugzeug und Fähren, fällt der Tourismus auf den kleineren Inseln kaum ins Gewicht und man fühlt sich einfach als Gast willkommen geheißen.

Terceira

Als erstes besuchten Patrick und ich Terceira, welches sich neben Pico und Faial ausgezeichnet für Whale- und Dolphinwatching eignet. Mit 27°C hatten wir hier die wärmsten Tage. Insgesamt ließ es sich sehr gut aushalten in dem atlantischen subtropischen Klima, während das Festland zu einem Backofen wurde. Der Höhepunkt war das Schnorcheln mit Delfinen, auch wenn dies vermutlich romantischer klingt, als es war: Man muss sich vielmehr ein Schnell-ins-kalte-Wasser-geworfen-werden und schnelles hoffentliches Erhaschen eines Blickes auf die Delfine vorstellen. Dennoch, es war ein unvergessliches Erlebnis, in dem unendlichen Blau (mit über einem Kilometer Nichts unter unseren Füßen) zu schweben, umgeben von dem munteren Geplaudere und Gezwitschere der Delfine.

Auf Terceira wird übrigens eine eigene Ponyrasse gezüchtet, das wusste ich vorher auch noch nicht!

Nach Terceira ging es für Patrick und mich mit der Fähre nach Graciosa. Mit dem Propellorflugzeug ist ebenfalls möglich, aber doppelt so teuer und von der Fähre aus sahen wir Wale, Delfine, eine Schildkröte und große Schwärme von Gelbschnabelsturmtauchern, mit denen ich vor zwei Jahren hier im Zuge meiner Biologie-Masterthesis gearbeitet habe. Hier kommst du zu meinen Bildern von damals auf FlickR.

Baia da Folga, Graciosa

Das Wiedersehen mit unseren alten Freunden war wunderschön. Für die nächsten zehn Tage genossen wir einfach, mit im weitläufigen Garten anzupacken, in dieser fruchtbaren dunklen Vulkanerde, in der wirklich alles gedeiht, gemeinsam zu essen, tradtitionelle Feste zu besuchen und einfach diese Art zu leben zu genießen, in der die Türen immer offen stehen und man noch so viel mehr mit der Erde verbunden ist, was einen zurück zu sich selbst finden lässt. Wie man sich doch selbst aus den Augen verliert in der Geschwindigkeit und dem Leistungsdruck Deutschlands!

Besonders das Tauchen lädt meine Batterien jedes Mal wieder neu auf. Wenn du dort unten in der Stille bist und dich ganz auf die Schönheit um dich herum, auf die unglaubliche Unterwassertopografie und die vielen bunten Fische konzentrierst, vergisst du alles was war und noch kommen wird, du genießt einfach die Schönheit des Augenblicks, sanft gewogen von den Wellen. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen auf den Azoren, das als das Galapagos des Atlantik gilt.

Horta, Faial

Von der Vegetation am besten gefallen hat mir Faial, das einfach zum Wandern einlädt, aber auch das internationale und sehr jungendliche und weltoffene Treiben des Hafens von Horta erinnert mich an Berlin. Ich wäre gerne noch geblieben.

Die vielen alten verfallenen Steinhäuschen und Kirchen sind zwar irgendwo traurig, doch ich liebe es, sie zu erkunden, sie bieten schöne Motive und laden zum Träumen ein. Bietet mein Land mir wirklich die einzige mögliche Art zu leben? Muss meine Arbeit vorwiegend aus dem Computer und meine Nahrung aus dem Supermarkt kommen?

Wie immer vermisse ich das Meer gewaltig, besonders in dieser brütenden Hitze aktuell. Fest steht auf jeden Fall, dass eine bessere Unterwasserkamera hermuss, dass mir das große Freude bereiten wird, auch wenn ich die Aufnahmen vorwiegend für mich selbst machen möchte.

Gleichzeitig war es aber auch mal schön, einen Tauchgang oder Spaziergang komplett ohne Kamera, Handy und Co. zu machen, und ganz bewusst und intensiv den Moment zu erleben, ohne ihn mir für später wegzupacken und nicht richtig zu würdigen. Dies ist eine Fähigkeit, die du nicht verlernen solltest. Frage dich, wenn du so bist, wie ich früher war, warum du alles festhalten musst. Ich musste feststellen, dass es bei mir viel mit Zukunftsangst zu tun hatte. Ich konnte nicht in den Fluss des Lebens vertrauen, doch nun weiß ich, auch wenn eine schöne Zeit vorbei ist, dass etwas Neues nur darauf wartet, von mir empfangen zu werden.

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